GitHubs neue Steuer auf eigene Server

TL;DR: Ab März 2026 verlangt GitHub 0,002 US-Dollar/Min für Builds auf Self-Hosted Runnern (private Repos). Microsoft lässt sich damit die bloße Orchestrierung auf der eigenen Hardware bezahlen. Besonders dreist: Nutzer zahlen künftig sogar für die Zeit, in der buggy GitHub-Code (wie ‘safe_sleep.sh’) die eigenen Server unnötig heißlaufen lässt.

Update (Januar 2026): GitHub hat angekündigt, die Einführung der neuen Gebühr vorerst zu verschieben.

Als Java-Entwickler, der schon viel zu lange Build-Pipelines bändigt, behaupte ich, es einschätzen zu können: Build-Artefakte werden nicht kleiner und Testreihen nicht kürzer. Um diese Tests durchzuführen, wird massive Rechenleistung benötigt. Hier gibt es zwei Wege: Entweder man nutzt die Server von GitHub (Managed) und zahlt für die verbrauchten Minuten, oder man verknüpft seine eigenen Server mit der Plattform. Diese eigenen Maschinen nennt man Self-Hosted Runner. Hier liefert GitHub nur den Startbefehl (die Orchestrierung), während die eigentliche Arbeit auf der Hardware des Nutzers stattfindet.

Was ist GitHub eigentlich?

Mehr Fakten zu Git und GitHub

Git (das Werkzeug)

  • Dezentrale Software zur Versionskontrolle von Quellcode
  • Protokolliert Änderungen vollständig und ist auch offline nutzbar
  • De-facto-Standard: Rund 93 % aller Entwickler arbeiten mit Git. [1]

GitHub (die Plattform)

  • Cloud-Plattform zum Hosten, Verwalten und Zusammenarbeiten an Git-Repositories
  • Bietet Funktionen für Code-Reviews, Issue-Tracking und CI/CD-Automatisierung
  • Über 180 Millionen Nutzer und mehr als 630 Millionen gehostete Repositories. [2]

Einordnung & wirtschaftlicher Kontext

  • Microsoft erwirbt GitHub 2018 für 7,5 Mrd. US‑Dollar. [3]
  • GitHub erreicht 2022 über 1 Mrd. US‑Dollar Annual Recurring Revenue (ARR). [4]
  • GitHub ist heute zentrale Infrastruktur für einen Großteil der weltweiten Softwareentwicklung.

Quellen

  1. Stackoverflow Survey 2022
  2. GitHub Octoverse Report
  3. Spiegel - Microsoft kauft GitHub
  4. TechCrunch 2022

GitHub ist primär eine Plattform zur Versionsverwaltung von Software-Code. Für Entwickler ist es das zentrale Archiv, in dem Projekte gespeichert und kollaborativ bearbeitet werden. Über die Jahre hat sich GitHub jedoch von einer reinen Ablage zu einer Automatisierungsplattform entwickelt. Mit dem Dienst „GitHub Actions“ können Entwickler Arbeitsabläufe (Pipelines) definieren, die den Code automatisch testen, bauen und ausliefern, sobald eine Änderung hochgeladen wird.

Das Ende des Gratis-Modells

Bisher galt bei Self-Hosted Runnern ein simples Prinzip: Da der Nutzer die Hardware kauft, den Strom bezahlt und die Wartung übernimmt, verlangte GitHub für die Ausführung dieser Workflows keine Gebühren. Man zahlte mit seiner eigenen Infrastruktur und Administration.

Ab März 2026 ist dieses Modell Geschichte. GitHub führt eine Plattformgebühr von 0,002 US-Dollar pro Minute für Self-Hosted Runner in privaten Repositories ein [1]. Das bedeutet: Auch wenn der Test auf einem Server unter dem eigenen Schreibtisch läuft, der keinen Cent an Microsoft-Ressourcen verbraucht, schickt GitHub am Monatsende eine Rechnung.

Die Architektur der Dreistigkeit

Man muss sich die Logik dahinter auf der Zunge zergehen lassen: GitHub lässt sich nun dafür bezahlen, dass ein Signal von ihren Servern zu deiner CPU wandert. Es ist eine Gebühr für die reine Kommunikation. Während die Kosten für die Cloud-eigenen Runner gesenkt werden, um Nutzer in das GitHub-Ökosystem zu locken wie Kinder in weiße Vans, wird die Unabhängigkeit durch eigene Hardware künstlich verteuert.

Für Unternehmen mit massiven Build-Pipelines läppert sich das. Wer monatlich 100.000 Minuten auf eigenen Maschinen testet, zahlt plötzlich 200 US-Dollar für eine Leistung, die er physisch selbst erbringt. GitHub liefert hier keinen Mehrwert, sondern schlägt lediglich eine Mautstelle auf dem Weg zur eigenen Hardware auf.

Microsoft wird nicht müde zu betonen, dass die Orchestrierung und das Speichern von Logs immense Kosten verursachen. Das wäre ein legitimes Argument, wenn man für Dienstleistung bezahlt - nicht aber für digitalen Vandalismus. Wenn die gelieferte ‚Orchestrierung‘ darin besteht, die Hardware der Kunden mittels Endlosschleifen in glühende Briefbeschwerer zu verwandeln, während Bug-Reports jahrelang im Keller verrotten, wird aus einer Service-Gebühr eine Schutzgeldzahlung für schlechte Software.

Fazit: Friss oder migriere

Der Diskurs in der Szene ist eindeutig: Es geht nicht um technische Notwendigkeiten, sondern um die Optimierung der Gewinnmarge pro Nutzer. GitHub nutzt seine Marktmacht und den „Vendor Lock-in“ schamlos aus. Wer hunderte Workflows auf GitHub Actions optimiert hat, wird nicht wegen ein paar hundert Dollar zu GitLab oder Jenkins abwandern - die Migrationskosten wären höher als die neue „Hardware-Steuer“.

Besonders bitter: Die technische Qualität der gelieferten „Orchestrierung“ sinkt stetig. Die Kontroverse um safe_sleep.sh zeigte erst kürzlich, wie GitHubs Infrastruktur-Skripte durch fehlerhafte Logik ganze Server-Farmen mit 100 % CPU-Last lahmlegten - ein Bug, der jahrelang ignoriert wurde, während man lieber in KI-Marketing investierte. Schlechtes Engineering, aber Hauptsache der Vibe hat gestimmt. [2][3]

Der fatale Code hinter safe_sleep.sh (Details)

Warte, bitte!

SECONDS=0
while [[ $SECONDS != $1 ]]; do
    : 
done
  • Anstatt den Prozessor ruhen zu lassen, nutzt dieser Code eine Dauerschleife, die den Kern zu 100 % auslastet, während er eigentlich nur warten soll.
  • Da Bash die Variable SECONDS nur in groben Zeitschritten aktualisiert, kann der Zielwert leicht übersprungen werden. In diesem Fall wird die Abbruchbedingung niemals erreicht - die Schleife läuft endlos weiter.
  • GitHub grillt durch dilettantischen Code die Hardware seiner Nutzer - und verlangt ab 2026 Gebühren für genau diese verschwendete Rechenzeit.

Nicht nur technisch ist das Skript ein Desaster, auch semantisch ist es pure Realsatire. Wie der Nutzer @almicc unter einem Video von ThePrimeagen treffend feststellte:

„’safe sleep’ is easily the most insane name for code like that. It’s absolutely not safe and does not sleep.“

Die Einführung dieser Gebühr ist ein Wendepunkt: GitHub wandelt sich vom Partner der Open-Source- und Enterprise-Welt zum reinen Mautstellen-Betreiber. Es geht nicht mehr um die Bereitstellung von Infrastruktur, sondern um die Monetarisierung von Abhängigkeiten. Wer seine Pipelines tief in das Ökosystem integriert hat, wird nun zur Kasse gebeten - nicht für eine technische Leistung, sondern für das Privileg, die eigene Infrastruktur weiterhin nahtlos nutzen zu können.

Quellen

  1. GitHub - Pricing changes
  2. The Register - Microsofts AI obsession (Safe Sleep Saga)
  3. GitHub Action Runner Issue 3792 - The infinite loop
Written on January 5, 2026